Feeds
Artikel
Kommentare

Life in Translation

Ruanda, Afrika - das heißt neue Umgebung und andere Kultur. Dazu kommt, dass das Wetter völlig verschieden ist und man auch ganz andere Sachen isst.

In Europa und in Deutschland scheint dagegen alles bekannt, langweilig. Ich war in Frankreich, Italien, Österreich, Tschechien - diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen. In Mecklenburg-Vorpommern war ich allerdings noch nie. Ok zweimal bin ich mit dem ICE durchgefahren.  Allgemein habe ich das Gefühl, viele Regionen in Deutschland nicht wirklich zu kennen. Das gilt, auch wenn ich drei Jahre in Erfurt studiert habe, insbesondere für die neuen Bundesländer. Höchste Zeit also für eine Entdeckungstour.

Genau das war einer der Gedanken hinter “Ost in Translation”, einer Reise, die mich in der letzten Woche zusammen mit zwei Freunden aus alten Erfurter Tagen durch alle fünf Bundesländer führte - von Thüringen bis an die Ostsee. Unser Ziel war es dabei ganz einfach zu entdecken, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und einen Eindruck zu bekommen, wie es sich im Osten der Republik so lebt. Dabei ging es uns nicht darum, alte Klischees und Vorurteile abzufragen oder wieder aufzuwärmen.

Warum ich das hier schreibe, in einem Blog, der vorgibt, sich um Ruanda und fremde Kulturen zu drehen? Ja, ich gebe zu, Elefanten, Malariamücken und interessante Tänze haben wir nicht erlebt. Und doch habe ich vieles erfahren, das mich an Afrika erinnert hat. Eine Sache, die man oft hört, wenn es um “fremde, exotische Länder” geht, ist die Gastfreundschaft. Wenn man das einfach mal herausfordert und in Deutschland versucht? Wir haben die meiste Zeit bei Leuten übernachtet, die wir nur lose, gar nicht oder nur über dritte kannten. Wir haben Menschen getroffen, die uns ihre Wohnung gezeigt haben und wir haben mit Menschen gesprochen, die uns von ihrem Leben und ihren Gedanken erzählt haben. Dafür war es nicht notwendig, eine neue Sprache zu lernen und wir konnten in Supermärkten einkaufen, die genauso aussahen wie in unseren Heimatstädten. Und dennoch hatte ich oft das Gefühl, ein unbekanntes Land zu bereisen. Eine interessante Zeit, die oft Momente hatte, die ähnlich intensiv waren, wie das, was ich in Ostafrika erlebt habe. Und das in einem Land, das einem bekannt und dann auch langweilig vorkommt - eine Frage der Perspektive.

Hier könnt ihr nachträglich mitreisen.

Werbung!

Ich bin äh das neue Werbegesicht für Kulturweit. Nachdem man mir einen hochdotierten Werbevertrag angeboten hat, musste ich einfach zusagen und mich für die gute Sache hergeben: Kulturweit-Flyer

Im Jahr 2007 war die WM Südafrika noch weit weg, denkt man. Tatsächlich warf sie aber schon damals ihre Schatten voraus, wie diese Sonderausgabe von The Star und Pretoria News beweist.
wm-suedafrika.jpg
Ich habe sie mitgenommen, als ich im August 2007 für einen Monat in Südafrika war. Jetzt habe ich das Blatt zufällig wiedergefunden und interessiert durchgeblättert. Besonders spannend fand ich die letzte Seite. Dort hat ein gewisser Siyabonga Mahlaba eine Art Horoskop erstellt und die Spieler präsentiert, die aus seiner Sicht Stars der WM 2010 werden. Jetzt nachdem die ersten Spiele gespielt sind, mache ich mich mal daran, seine Liste zu überprüfen.

1. Lionel Messi, Argentinien
Treffer, damit wird man auch bei den Weltmeisterschaft 2014 und 2018 noch richtig liegen.
2. Sergio Ramos, Spanien
Beim 0:1 gegen die Schweiz konnte er nicht überzeugen und hat noch “Luft nach oben”.
3. Robinho, Brasilien
Befriedigende Leistung beim 2:1 gegen Nordkorea, bereitete das zweite Tor vor. “Superstar” ist er noch nicht.
4. Cesc Fabregas, Spanien
Saß bei der Niederlage gegen die Schweiz nur auf der Bank.
5. Fernando Torres, Spanien
Auch zunächst nur auf der Bank, durfte die letzten 30 Minuten ran und blieb ohne Wirkung.
6. John Obi Mikel, Nigeria
Ist verletzt, die bereits ausgeschiedenen Nigerianer hätten ihren Topstar dringend gebraucht
7. Emmanuel Eboué, Elfenbeinküste
Beim 0:0 gegen Portugal ganz sicher nicht der prägende Spieler.
8. Petr Cech, Tschechien
An ihm lag es wohl nicht, dass sich die Tschechen nicht für das Turnier in Südafrika qualifizieren konnten.
9. Kaka, Brasilien
Tat sich beim Sieg gegen Nordkorea schwer. Wurde schließlich ausgewechselt.
10. Philipp Lahm, Deutschland
Tolles Tor und gute Leistung beim Startsieg, gegen Serbien durchschnittlich; allerdings besondere Rolle als Kapitän

Fazit:
Noch ist sicher nicht der Volltreffer dabei. Aber das ganze Turnier lässt sich bisher wohl noch nicht alshochwertig einschätzen. Ich werde die potenziellen Stars aus dem Jahr 2007 im Blick behalten.

Die afrikanische WM

Auch wenn die Fußball-Weltmeisterschaft eigentlich nur in einem Land stattfindet, in Südafrika, scheint doch der ganze Kontinent mitzufeiern. Ich habe deswegen mal die Titelgrafik geändert - passend zum Thema. Das Foto habe ich bei einem Fußballspiel in Matimba im Dezember 2009 aufgenommen. In dem ruandischen Dorf, das im Dreiländereck Tansania-Uganda-Ruanda liegt, waren Größe des Spielfeldes und auch die Zahl der Mitspieler sehr variabel. Der Spaß stand im Vordergrund, ohne Schuhe und gemähtem Rasen…

Es ist schon einige Wochen her, doch noch immer aktuell und ein gutes Beispiel für den Umgang mit dem “vergessenen Kontinent” - gerade in den Zeiten der Fußball-WM.

Das Afrika-Festival in Würzburg ist ein Höhepunkt der Zelebrierung afrikanischer Lebenskultur in Deutschland. Viele Musiker treten auf, an unzähligen Ständen kann man mehr oder weniger originelle Produkte aus den verschiedensten afrikanischen Ländern kaufen, dazu kommen Buden, an denen man Krokodilfleisch oder Crêpes essen kann - alles in allem typische Speisen also. Und dann präsentieren sich noch viele Organisationen und Firmen. Man konnte sich über die GTZ informieren, beim selbsternannten Anwalt für den Fußballsport auf dem Kontinent, Puma, kickern und man konnte sich auch über das Engagement der Modefirma S.Oliver aufklären lassen.

Klar, so ein Festival scheint eine gute Bühne zu sein, um das eigene Image mit einen Hauch von Nachhaltigkeit und sozialem Verantwortungsgefühl zu umgeben. Der eher schlichte Stand von S.Oliver wurde dabei von einem sehr prägnanten Satz überlagert. Gesagt hat ihn Hans-Peter Hiemer, “Managing Director Global Sourcing & Product Operations”.

 ”Die Zusammenarbeit mit Cotton made in Africa ermöglicht uns, ein Entwicklungsland wie Afrika zu unterstützen und es gleichzeitig als Ressource aufzubauen.”

Eine wahrlich differenzierte Aussage, die viel aussagt über die Sicht auf den afrikanischen Kontinent und die wirtschaftlichen Interessen, die vielfach dahinterstecken. Und das in einem Land, das sich stets auszeichnet durch die ehrliche und uneigennützige Auseinandereinandersetzung mit den Belangen der verschiedenen Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Einem Land wie Europa.

entwicklungsland-afrika.jpg

Obst aus Afrika

Seit ich wieder in Deutschland bin, habe ich keine Banane gegessen. Ich habe nach den Früchten, die in Ruanda kaum vom Baum gefallen gegessen werden Angst vor dem Geschmack von überzüchteten Atom-Bananen aus Kolumbien oder Ecuador.

Mit am besten waren in Ruanda aber die Maracujas. Vorgestern habe ich ein Paket bekommen, in dem einige originale Maracujas aus Ruanda waren. Sie sahen ein bisschen aus wie Rosinen, haben aber genauso geschmeckt wie in Ruanda. Ein wunderbarer Moment…

maracuja1.jpg

Wie gehts weiter?

So jetzt mal den Staub hier weggewischt… und wieder einmal die Blog-Tastatur angeworfen.
Wie soll es mit diesem Blog weitergehen? Seit Wochen bin ich jetzt wieder in Deutschland. Hinter mir liegen viele neue Erlebnisse und Gedanken. Und doch ist Ruanda sehr präsent in meinem Alltag.
Ich habe überlegt, ob ich diesen Blog vielleicht umbenennen soll in linus.in/deutschland oder in linus.in/derheimat. Aber irgendwie ist das alles nicht so wirklich richtig und würde auf keinen Fall das treffen, was ich hier noch schreiben möchte. Darum bleibt es erstmal bei dem Titel. Ich habe in meinem Alltag viele Ideen für neue Artikel und doch komme ich häufig einfach nicht dazu das in Form von Buchstaben zu gießen. Die ruandische Zeitvorstellung ist leider nicht unbedingt kompatibel mit der in Deutschland. Und doch merke ich, dass es noch genug Dinge gibt, die ich hier loswerden möchte… Los gehts.

Gerade habe ich mal die Besucherzahlen angeschaut. Noch immer passiert hier einiges - das motiviert mich natürlich zusätzlich.

Geschichtsstunde

Ziemlich genau 20 Jahre ist es jetzt her, dass die Bürger in der DDR zum ersten Mal an einer wirklich freien Wahl teilnehmen durften. Und zum Zeitpunkt der Abstimmung war absolut nicht klar, dass dies auch schon die letzte Parlaments-Wahl in Ostdeutschland bleiben sollte. “Das Ziel war damals zu den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona mit einer gesamtdeutschen Mannschaft antreten zu können” , erinnert sich Reinhard Höppner. Er wurde nach der Wahl Vizepräsident der Volkskammer. Am vergangenen Donnerstag Abend saß er zusammen mit Herbert Schirmer, dem damaligen DDR-Kulturminister und Werner Ablaß, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, bei einer Buchvorstellung im Zeitgeschichtlichen Forum in der Leipziger Innenstadt.

Die drei Herren sprachen wenig überraschend über die turbulente Zeit im Jahr 1990. Schnell bekam man den Eindruck, dass hier Personen sitzen, die mit dem Gehabe vieler heutiger Politiker nur wenig zu tun haben. Weiterlesen »

Eine Vertragsunterzeichnung für ein Praktikum ist an sich nichts besonderes. Allerdings wurde ich heute, als mir anschließend noch ein paar weitere Blätter zur Unterschrift vorgelegt wurden, etwas nachdenklich. Einerseits war ich verwundert über den bürokratischen Aufwand in Deutschland und mit der ruandischen Realität im Hinterkopf blieb ich andererseits an dieser Passage hängen:

diskri.jpg

Frostbeulen und Frustheulen

Gefühlt ist es einige Jahre her, dass ich zum letzten Mal ein Fußballspiel im Stadion gesehen habe. Gut, in Ruanda habe ich einige Spiele gesehen. Deren Niveau erinnerte aber eher an Spiele bei denen ich nicht auf der Tribüne stand, sondern selbst auf dem Platz. Spontan ging ich dann gestern abend “fremd” und besuchte den Fürther Ronhof - Spvgg Greuther Fürth gegen Union Berlin.
greutherfurth-union1.jpg
Das Spiel passte sich den Temperaturen an und war absolut nicht geeignet um auf irgendeine Weise die Zuschauer zu erwärmen. Die Fürther wurden erst in den letzten Minuten gefährlich, scheiterten allerdings am Gästetorwart, an der Latte und am eigenen Unvermögen. Union Berlin war in der ersten Halbzeit aktiver, ohne aber kreative Ideen zu entwickeln. Ein genauso frustrierendes wie gerechtes 0:0 in einem “Spiel, dass keinen Sieger verdient hatte” (Hansch 1990-2010). Vermutlich waren die anderen fränkischen Fußballfans bereits vor dem Spiel über dessen Verlauf informiert und blieben zuhause. Nur etwa 5500 Zuschauer verloren sich in dem Stadion, dass bald nach Bonbons benannt werden wird. Vielleicht wussten die aber auch einfach, dass es unglaublich kalt werden würde…
So gefroren habe ich schon lange nicht mehr und mir fällt es immer schwerer mir vorzustellen, dass ich vor drei Wochen noch im Hemd unterwegs war und Handschuhe höchstens von Torhütern gebraucht wurden. So wie im Erstliga-Spiel von AS Kigali gegen Electrogaz FC.
ask-electrogaz.jpg
An diesem Foto merkt man auch, dass in Ruanda Temperaturen wohl nicht ausschlaggebend für den Zuschauerzuspruch zu sein scheinen…

Ältere Artikel »